Welche Dosiertechnologie ist die richtige für meine Laboranwendung?
Peristaltikpumpe, Mikrozahnringpumpe oder Air-Displacement-Pipette (ADP): Welche Technologie sich für einen automatisierten Dosierprozess eignet, hängt nicht allein vom gewünschten Volumen ab. Auch Flüssigkeitseigenschaften, Durchsatz, Produktwechsel, Reinigungsstrategie und Anforderungen an Rückverfolgbarkeit und Prozesssicherheit spielen eine entscheidende Rolle.
Eine pauschal beste Lösung gibt es daher nicht. Ziel ist eine Dosiertechnologie, die zum gesamten Workflow passt und über die geplante Produktionsdauer reproduzierbare Ergebnisse ermöglicht.
Kurzantwort: Für flexible Standardabfüllungen und häufige Medienwechsel ist häufig eine Peristaltikpumpe sinnvoll. Werden besonders stabile, präzise Dosierungen – auch bei kleinen Volumina oder anspruchsvollen Flüssigkeiten – benötigt, kann eine Mikrozahnringpumpe die passende Wahl sein. Ein Air-Displacement-ADP-System empfiehlt sich vor allem für kleine bis mittlere Volumina, hohe Genauigkeitsanforderungen und Prozesse mit wechselbaren Pipettenspitzen.
Wovon hängt die Wahl der Dosiertechnologie ab?
Die Auswahl sollte immer auf Basis der realen Anwendung erfolgen. Besonders relevant sind folgende Fragen:
Drei Technologien im Überblick
Peristaltikpumpe: flexibel und mediengetrennt dosieren
Bei einer Peristaltikpumpe drücken Rollen einen flexiblen Schlauch abschnittsweise zusammen und transportieren die Flüssigkeit dadurch nach vorn. Das Medium berührt nicht den Pumpenmechanismus, sondern nur den definierten Flüssigkeitsweg aus Schlauch und Dosierkomponenten. Dieser lässt sich vergleichsweise einfach wechseln.
Die Technologie eignet sich besonders für robuste Abfüllprozesse, größere Dosiermengen und Anwendungen mit regelmäßigem Reagenz- oder Chargenwechsel. Da Schlaucheigenschaften, Temperatur und Nutzung das Förderverhalten beeinflussen können, ist eine anwendungsspezifische Kalibrierung ein wichtiger Teil des Prozesses.
Mikrozahnringpumpe: hohe Präzision und stabile Förderung
Eine Mikrozahnringpumpe fördert Flüssigkeit über sehr kleine ineinandergreifende Zahnringe. Die Technologie ermöglicht eine gleichmäßige, pulsationsarme Dosierung und kann insbesondere bei kleinen Volumina, engen Toleranzen und anspruchsvollen Flüssigkeitseigenschaften Vorteile bieten.
Anders als bei der Peristaltikpumpe kommt das Medium mit den medienberührten Bauteilen der Pumpe in Kontakt. Materialverträglichkeit, Reinigungsabläufe und gegebenenfalls die Validierung dieser Abläufe müssen deshalb von Beginn an in die Prozessplanung einbezogen werden.
Air-Displacement-Pipette (ADP): präzises Pipettieren mit Spitzen
Beim Air-Displacement-Verfahren bewegt eine Luftsäule die Flüssigkeit in einer Pipettenspitze. Wechselbare Spitzen erleichtern die Trennung unterschiedlicher Medien und unterstützen flexible Prozesse. Die Technologie ist besonders für kleine bis mittlere Volumina und hohe Genauigkeitsanforderungen geeignet.
Aspiration und Abgabe erfolgen jedoch nacheinander. Die Spitze muss zwischen Ausgangs- und Zielgefäß bewegt und bei Bedarf gewechselt werden. Das kann die Taktzeit verlängern und erzeugt Verbrauchsmaterial. Gleichzeitig bietet das Verfahren Vorteile, wenn Reagenzien häufig wechseln oder eine klare Trennung der Flüssigkeitswege gefragt ist.
Dosiertechnologien im direkten Vergleich
Kriterium
Peristaltikpumpe
Mikrozahnringpumpe
ADP
Typischer Schwerpunkt
Flexible, schnelle Abfüllung
Präzise, stabile Dosierung
Präzises Pipettieren mit Spitzen
Volumenbereich
Vor allem Standard- und größere Füllvolumina
Auch kleine Volumina und enge Toleranzen
Kleine bis mittlere Volumina
Medienkontakt
Medium im austauschbaren Schlauchsystem
Pumpe besitzt medienberührte Bauteile
Medium überwiegend in der Pipettenspitze
Produktwechsel
Einfach durch definierten Schlauchwechsel unterstützbar
Reinigung und Medienverträglichkeit gezielt planen
Gut durch wechselbare Spitzen unterstützbar
Prozessgeschwindigkeit
Kontinuierliches Ansaugen und Dosieren möglich
Stabile kontinuierliche oder diskrete Dosierung
Aspiration, Bewegung und Abgabe nacheinander
Kalibrierung
Wichtig für Schlauch, Medium und Prozessbedingungen
Wichtig für den konkreten Arbeitspunkt
Liquid Class und Spitze auf Anwendung abstimmen
So wählen Sie die passende Technologie systematisch aus

Anwendung definieren: Zielvolumen, Toleranz, Anzahl der Tubes, Chargengröße und gewünschte Taktzeit festlegen.

Flüssigkeit charakterisieren: Viskosität, Temperatur, Schaumbildung, Materialverträglichkeit und Stabilitätsanforderungen erfassen.

Wechsel und Reinigung bewerten: Häufigkeit der Produktwechsel, zulässiges Carry-over und gewünschte Reinigungsstrategie bestimmen.

Gesamtprozess betrachten: Dosieren nicht isoliert planen, sondern zusammen mit Capping, Etikettierung, Identifikation, Kühlung und Dokumentation.

Mit Originalmaterial testen: Medium, Tubes, Verschlüsse und Zielvolumina unter realistischen Bedingungen prüfen und den Prozess darauf kalibrieren.
Warum Liquid Classes und Kalibrierung entscheidend sind
Die Pumpe allein bestimmt nicht das Dosierergebnis. Auch Schlauch oder Spitze, Dosierkanüle, Geschwindigkeit, Temperatur, Viskosität und Tropfenbildung wirken auf den Prozess. Deshalb sollten relevante Parameter in einer anwendungsspezifischen Liquid Class zusammengeführt und über einen definierten Kalibrierablauf abgesichert werden.
Bei den HTI-Systemen unterstützt das Pumpenmanagement zentrale Routinen wie Priming, Reinigung und Kalibrierung. So lassen sich wiederkehrende Abläufe standardisieren und unterschiedliche Flüssigkeiten strukturiert verwalten.
Welche HTI-Lösung passt zur Anwendung?
Wichtig: Die Produktauswahl sollte erst nach der Bewertung von Medium, Dosierbereich, Toleranz, Durchsatz und Gesamtworkflow erfolgen. Eine Technologie, die im Einzeltest präzise arbeitet, ist nicht automatisch die wirtschaftlichste oder prozesssicherste Lösung für die vollständige Anwendung.
Dosierprozess mit HTI auslegen
HTI betrachtet nicht nur die Pumpentechnologie, sondern den vollständigen Ablauf vom Ausgangsgefäß bis zum verschlossenen und dokumentierten Tube. Gemeinsam mit Ihnen prüfen wir Medium, Zielvolumen, Labware, Durchsatz und Qualitätsanforderungen und entwickeln daraus eine passende Automatisierungslösung.




