Welche Dosier­technologie ist die richtige für meine Laboranwendung?

Peristaltikpumpe, Mikrozahnringpumpe oder Air-Displacement-Pipette (ADP): Welche Technologie sich für einen automatisierten Dosierprozess eignet, hängt nicht allein vom gewünschten Volumen ab. Auch Flüssigkeitseigenschaften, Durchsatz, Produktwechsel, Reinigungsstrategie und Anforderungen an Rückverfolgbarkeit und Prozesssicherheit spielen eine entscheidende Rolle.

Eine pauschal beste Lösung gibt es daher nicht. Ziel ist eine Dosiertechnologie, die zum gesamten Workflow passt und über die geplante Produktionsdauer reproduzierbare Ergebnisse ermöglicht.

Kurzantwort: Für flexible Standardabfüllungen und häufige Medienwechsel ist häufig eine Peristaltikpumpe sinnvoll. Werden besonders stabile, präzise Dosierungen – auch bei kleinen Volumina oder anspruchsvollen Flüssigkeiten – benötigt, kann eine Mikrozahnringpumpe die passende Wahl sein. Ein Air-Displacement-ADP-System empfiehlt sich vor allem für kleine bis mittlere Volumina, hohe Genauigkeitsanforderungen und Prozesse mit wechselbaren Pipettenspitzen.

Wovon hängt die Wahl der Dosiertechnologie ab?

Die Auswahl sollte immer auf Basis der realen Anwendung erfolgen. Besonders relevant sind folgende Fragen:

  • Dosierbereich und Toleranz: Welche Zielvolumina sollen mit welcher zulässigen Abweichung abgefüllt werden?

  • Medium: Wie verhalten sich Viskosität, Oberflächenspannung, Temperatur und Schaumbildung?

  • Durchsatz: Wie viele Tubes müssen pro Stunde oder Charge verarbeitet werden?

  • Produktwechsel: Wie häufig wechseln Reagenzien, Puffer oder Chargen?

  • Kontaminationsrisiko: Welche Anforderungen gelten für Sterilität, Carry-over und Kreuzkontamination?

  • Reinigung und Kalibrierung: Welche Abläufe müssen standardisiert, dokumentiert oder validiert werden?

  • Prozessintegration: Soll das Dosieren mit Öffnen, Verschließen, Etikettieren, Kühlen oder In-Prozess-Kontrollen kombiniert werden?

Drei Technologien im Überblick

Peristaltikpumpe: flexibel und mediengetrennt dosieren

Bei einer Peristaltikpumpe drücken Rollen einen flexiblen Schlauch abschnittsweise zusammen und transportieren die Flüssigkeit dadurch nach vorn. Das Medium berührt nicht den Pumpenmechanismus, sondern nur den definierten Flüssigkeitsweg aus Schlauch und Dosierkomponenten. Dieser lässt sich vergleichsweise einfach wechseln.

Die Technologie eignet sich besonders für robuste Abfüllprozesse, größere Dosiermengen und Anwendungen mit regelmäßigem Reagenz- oder Chargenwechsel. Da Schlaucheigenschaften, Temperatur und Nutzung das Förderverhalten beeinflussen können, ist eine anwendungsspezifische Kalibrierung ein wichtiger Teil des Prozesses.

Mikrozahnringpumpe: hohe Präzision und stabile Förderung

Eine Mikrozahnringpumpe fördert Flüssigkeit über sehr kleine ineinandergreifende Zahnringe. Die Technologie ermöglicht eine gleichmäßige, pulsationsarme Dosierung und kann insbesondere bei kleinen Volumina, engen Toleranzen und anspruchsvollen Flüssigkeitseigenschaften Vorteile bieten.

Anders als bei der Peristaltikpumpe kommt das Medium mit den medienberührten Bauteilen der Pumpe in Kontakt. Materialverträglichkeit, Reinigungsabläufe und gegebenenfalls die Validierung dieser Abläufe müssen deshalb von Beginn an in die Prozessplanung einbezogen werden.

Air-Displacement-Pipette (ADP): präzises Pipettieren mit Spitzen

Beim Air-Displacement-Verfahren bewegt eine Luftsäule die Flüssigkeit in einer Pipettenspitze. Wechselbare Spitzen erleichtern die Trennung unterschiedlicher Medien und unterstützen flexible Prozesse. Die Technologie ist besonders für kleine bis mittlere Volumina und hohe Genauigkeitsanforderungen geeignet.

Aspiration und Abgabe erfolgen jedoch nacheinander. Die Spitze muss zwischen Ausgangs- und Zielgefäß bewegt und bei Bedarf gewechselt werden. Das kann die Taktzeit verlängern und erzeugt Verbrauchsmaterial. Gleichzeitig bietet das Verfahren Vorteile, wenn Reagenzien häufig wechseln oder eine klare Trennung der Flüssigkeitswege gefragt ist.

Dosiertechnologien im direkten Vergleich

Kriterium

Peristaltikpumpe

Mikrozahnringpumpe

ADP

Typischer Schwerpunkt

Flexible, schnelle Abfüllung

Präzise, stabile Dosierung

Präzises Pipettieren mit Spitzen

Volumenbereich

Vor allem Standard- und größere Füllvolumina

Auch kleine Volumina und enge Toleranzen

Kleine bis mittlere Volumina

Medienkontakt

Medium im austauschbaren Schlauchsystem

Pumpe besitzt medienberührte Bauteile

Medium überwiegend in der Pipettenspitze

Produktwechsel

Einfach durch definierten Schlauchwechsel unterstützbar

Reinigung und Medienverträglichkeit gezielt planen

Gut durch wechselbare Spitzen unterstützbar

Prozessgeschwindigkeit

Kontinuierliches Ansaugen und Dosieren möglich

Stabile kontinuierliche oder diskrete Dosierung

Aspiration, Bewegung und Abgabe nacheinander

Kalibrierung

Wichtig für Schlauch, Medium und Prozessbedingungen

Wichtig für den konkreten Arbeitspunkt

Liquid Class und Spitze auf Anwendung abstimmen

So wählen Sie die passende Technologie systematisch aus

Anwendung definieren: Zielvolumen, Toleranz, Anzahl der Tubes, Chargengröße und gewünschte Taktzeit festlegen.

Flüssigkeit charakterisieren: Viskosität, Temperatur, Schaumbildung, Materialverträglichkeit und Stabilitätsanforderungen erfassen.

Wechsel und Reinigung bewerten: Häufigkeit der Produktwechsel, zulässiges Carry-over und gewünschte Reinigungsstrategie bestimmen.

Gesamtprozess betrachten: Dosieren nicht isoliert planen, sondern zusammen mit Capping, Etikettierung, Identifikation, Kühlung und Dokumentation.

Mit Originalmaterial testen: Medium, Tubes, Verschlüsse und Zielvolumina unter realistischen Bedingungen prüfen und den Prozess darauf kalibrieren.

Warum Liquid Classes und Kalibrierung entscheidend sind

Die Pumpe allein bestimmt nicht das Dosierergebnis. Auch Schlauch oder Spitze, Dosierkanüle, Geschwindigkeit, Temperatur, Viskosität und Tropfenbildung wirken auf den Prozess. Deshalb sollten relevante Parameter in einer anwendungsspezifischen Liquid Class zusammengeführt und über einen definierten Kalibrierablauf abgesichert werden.

Bei den HTI-Systemen unterstützt das Pumpenmanagement zentrale Routinen wie Priming, Reinigung und Kalibrierung. So lassen sich wiederkehrende Abläufe standardisieren und unterschiedliche Flüssigkeiten strukturiert verwalten.

Welche HTI-Lösung passt zur Anwendung?

X-TubeProcessor®_Smart 2.0 von HTI Automation

X-TubeProcessor®_Smart 2.0

Der Smart 2.0 kombiniert Dosieren, Etikettieren sowie das Öffnen und Verschließen von Tubes in einem kompakten System. Je nach Anwendung ist eine Peristaltikpumpe oder optional eine Mikrozahnringpumpe verfügbar. Das System verarbeitet Tubes und Vials von 0,5 bis 15 ml, bietet Platz für bis zu sechs SBS-Racks und erreicht – abhängig vom Workflow – bis zu 370 Tubes pro Stunde.

X-Control unterstützt Job- und Prozessmanagement, Audit Trail, Benutzerverwaltung sowie die Anbindung an LIMS- und ERP-Systeme. Über den DosingPumpManager lassen sich unter anderem Priming, Reinigung, Kalibrierung und Liquid Classes verwalten.

X-TubeProcessor®_Flex

Der modular konfigurierbare Flex eignet sich für komplexere Prozesse und höhere Durchsätze. Für das Liquid Handling stehen unter anderem Peristaltikpumpe und Air-Displacement-Pipette (ADP) zur Verfügung. Abhängig von Konfiguration, Füllvolumen und Workflow sind bis zu 600 Tubes pro Stunde möglich. Zusätzliche Module können beispielsweise Capping, Etikettierung, Barcode-Identifikation, Kühlung, sterile Anwendungen oder In-Prozess-Kontrollen abbilden.

Wichtig: Die Produktauswahl sollte erst nach der Bewertung von Medium, Dosierbereich, Toleranz, Durchsatz und Gesamtworkflow erfolgen. Eine Technologie, die im Einzeltest präzise arbeitet, ist nicht automatisch die wirtschaftlichste oder prozesssicherste Lösung für die vollständige Anwendung.

Dosierprozess mit HTI auslegen

HTI betrachtet nicht nur die Pumpentechnologie, sondern den vollständigen Ablauf vom Ausgangsgefäß bis zum verschlossenen und dokumentierten Tube. Gemeinsam mit Ihnen prüfen wir Medium, Zielvolumen, Labware, Durchsatz und Qualitätsanforderungen und entwickeln daraus eine passende Automatisierungslösung.

Häufige Fragen zur Auswahl der Dosiertechnologie

Das lässt sich nicht unabhängig von Volumen, Medium und Prozessbedingungen beantworten. Mikrozahnringpumpen und ADP-Systeme bieten häufig Vorteile bei kleinen Volumina und engen Toleranzen. Eine kalibrierte Peristaltikpumpe kann für viele Abfüllaufgaben dennoch die passendere und schnellere Lösung sein.

Häufig sind Peristaltikpumpen mit wechselbarem Schlauchsystem oder ADP-Systeme mit wechselbaren Pipettenspitzen vorteilhaft. Entscheidend sind jedoch die zulässige Verschleppung, der Reinigungsaufwand und die gewünschte Taktzeit.

Grundsätzlich ja. Die Eignung hängt von Viskosität, Temperatur, Zielvolumen, Dosiergeschwindigkeit und Pumpenkonfiguration ab. Eine Prüfung mit dem Originalmedium ist deshalb besonders wichtig.

Definierte Flüssigkeitswege, automatisierte Prozessschritte, geeignete Schlauch- oder Spitzenwechsel, standardisierte Reinigung und bei Bedarf eine HEPA-gefilterte Arbeitsumgebung reduzieren manuelle Eingriffe und potenzielle Kontaminationsquellen.

Das hängt von der gewählten Systemkonfiguration und den technischen Anforderungen ab. Da Flüssigkeitsweg, Softwareparameter, Reinigung und Validierung betroffen sein können, sollte die gewünschte Flexibilität bereits bei der Auslegung berücksichtigt werden.

Lassen Sie sich von unseren Spezialisten beraten!

Gerne sprechen wir mit Ihnen über Ihre Anwendung und Ihren Automatisierungsbedarf:
Telefon: 08092 2092-70 oder E-Mail: sales@hti-automation.com

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