Was ist Laborautomatisierung?
Laborautomatisierung bedeutet, wiederkehrende manuelle Arbeitsschritte mithilfe technischer Systeme und Software kontrolliert auszuführen. Dazu gehören zum Beispiel das Öffnen und Verschließen von Tubes, das Dosieren von Reagenzien, das Etikettieren, die Identifikation per Barcode sowie das Sortieren und Dokumentieren von Proben oder Produkten.
Dabei muss nicht sofort ein gesamtes Labor vollautomatisiert werden. Häufig beginnt der sinnvollste Einstieg mit einem einzelnen, klar abgegrenzten Prozess, der viel Zeit bindet, fehleranfällig ist oder das weitere Wachstum begrenzt. Später können zusätzliche Schritte zu einem durchgängigen Workflow verbunden werden.
Kurz erklärt: Laborautomatisierung überträgt standardisierbare Routineaufgaben auf ein technisches System. Ziel sind nicht möglichst viele Maschinen, sondern reproduzierbare Abläufe, weniger manuelle Fehler, mehr freie Zeit für Fachkräfte und eine verlässliche Dokumentation.
Was gehört zur Laborautomatisierung?
Eine Automatisierungslösung besteht meist aus mehreren Ebenen, die aufeinander abgestimmt werden müssen:
Erst das Zusammenspiel dieser Elemente macht aus einem automatisierten Einzelschritt einen kontrollierten und im Alltag nutzbaren Prozess.
Welche Laborprozesse lassen sich automatisieren?
Besonders gut eignen sich wiederkehrende Abläufe mit klaren Regeln, definierten Eingangs- und Ausgangsmaterialien und überprüfbaren Qualitätskriterien.
Prozess
Typische Aufgaben
Möglicher Nutzen
Etikettieren und Kennzeichnen
Etiketten drucken, positionieren, aufbringen und Codes prüfen
Einheitliche Kennzeichnung und bessere Rückverfolgbarkeit
Öffnen und Verschließen
Tubes automatisch auf- und zuschrauben, Drehbewegung kontrollieren
Weniger Handarbeit und reproduzierbare Ergebnisse
Dosieren und Abfüllen
Reagenzien oder Kontrollmaterialien in definierte Gefäße verteilen
Konstante Abläufe und bedarfsgerechte Dosiergenauigkeit
Identifizieren und Sortieren
Barcodes lesen, Tubes zuordnen und in Racks oder Ausgaben sortieren
Weniger Verwechslungen und klare Prozesswege
Lagern und Zuführen
Tubes, Verschlüsse oder Racks bereitstellen und fertige Einheiten ausgeben
Längere unbeaufsichtigte Laufzeiten
Dokumentieren und Vernetzen
Auftragsdaten übernehmen, Prozessdaten protokollieren und Ergebnisse zurückmelden
Transparenz, Audit-Unterstützung und durchgängige Datenflüsse
Ob ein Prozess tatsächlich geeignet ist, hängt von der Labware, den Materialeigenschaften, dem Variantenumfang, dem gewünschten Durchsatz und den Qualitätsanforderungen ab. Deshalb sollte die technische Lösung erst nach einer strukturierten Prozessanalyse ausgewählt werden.
Welche Vorteile bietet Laborautomatisierung?
Wichtig: Automatisierung ersetzt nicht die fachliche Kompetenz im Labor. Sie übernimmt vor allem klar definierte Routineaufgaben und schafft dadurch mehr Zeit für Bewertung, Entwicklung, Qualitätssicherung und andere Tätigkeiten, bei denen menschliche Expertise entscheidend bleibt.
Wann lohnt sich Laborautomatisierung?
Eine feste Mindestmenge, ab der sich Automatisierung grundsätzlich rechnet, gibt es nicht. Maßgeblich ist, wie viel Aufwand und Risiko im heutigen Prozess entstehen und welcher Nutzen durch die Automatisierung erreichbar ist.
Ein genauerer Blick lohnt sich insbesondere, wenn:
Für eine realistische Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollten nicht nur Anschaffungskosten und Stückzahlen verglichen werden. Relevant sind auch gebundene Arbeitszeit, Fehler- und Nacharbeitskosten, Verbrauchsmaterialien, Wartung, mögliche Kapazitätsgewinne und die gewonnene unbeaufsichtigte Laufzeit.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Je klarer ein Prozess beschrieben ist, desto sicherer lässt er sich automatisieren. Vor Projektbeginn sollten deshalb folgende Grundlagen geklärt sein:
Vom Einzelschritt zum vernetzten Workflow
Laborautomatisierung kann in unterschiedlichen Ausbaustufen erfolgen. Welche Stufe sinnvoll ist, richtet sich nach Prozessumfang, Varianten, Mengen und Integrationsbedarf.
Automatisierungsstufe
Beschreibung
Typisches Beispiel
Einzelprozess
Ein wiederkehrender manueller Schritt wird gezielt automatisiert.
Tubes automatisiert etikettieren
Kombinierter Prozess
Mehrere aufeinanderfolgende Aufgaben laufen in einem System.
Dosieren, verschließen und etikettieren
Modularer Workflow
Prozessmodule werden auf einen komplexeren Ablauf und steigende Anforderungen abgestimmt.
Zuführen, dosieren, prüfen, kennzeichnen und sortieren
Durchgängige Integration
Auftragsdaten, Materialfluss, Bearbeitung und Dokumentation werden digital verbunden.
Vom ERP- oder LIMS-Auftrag bis zum fertigen Tube
So gelingt der Einstieg in sechs Schritten

Ist-Prozess erfassen: Arbeitsschritte, Mengen, Zeitaufwand, Fehlerquellen, Varianten und Ausnahmen dokumentieren.

Ziele priorisieren: Festlegen, ob vor allem Entlastung, Kapazität, Qualität, Rückverfolgbarkeit oder Wachstum verbessert werden soll.

Anforderungen definieren: Labware, Materialien, Toleranzen, Durchsatz, Reinigungsstrategie, IT und regulatorische Vorgaben beschreiben.

Automatisierungsumfang festlegen: Entscheiden, ob ein Einzelprozess oder ein kombinierter Workflow den größten Nutzen bietet.

Mit Originalmaterial testen: Tubes, Verschlüsse, Etiketten und Flüssigkeiten unter realistischen Bedingungen prüfen.

Einführung absichern: Qualifizierung, Schulung, Wartung, Ersatzteile und Verantwortlichkeiten für den laufenden Betrieb planen.
Typische Fehler bei Automatisierungsprojekten
Laborautomatisierung mit HTI: vom Einstieg bis zur Komplettlösung
Die X-TubeProcessor®-Systeme decken unterschiedliche Automatisierungsstufen rund um Tubes und Vials ab. Dadurch kann die Lösung am tatsächlichen Prozess ausgerichtet werden – von einem klar abgegrenzten Arbeitsschritt bis zum digital integrierten Gesamtworkflow.
HTI-System
Typischer Automatisierungsumfang
X-TubeProcessor® _Sign
Automatisiertes Etikettieren unterschiedlicher Tubes und Vials – als gezielter Einstieg in standardisierte Kennzeichnungsprozesse.
X-TubeProcessor® _Basic
Automatisiertes Öffnen und Verschließen; je nach Konfiguration um Etikettierung und Rackzuführung erweiterbar.
X-TubeProcessor® _Smart 2.0
Kompakte Kombination aus Dosieren, Öffnen und Verschließen sowie Etikettieren – mit X-Control, TwinCode und digitaler Prozessdokumentation.
X-TubeProcessor® _Flex
Modular konfigurierbare Plattform für komplexere Abläufe, parallele Prozessschritte und höhere Durchsätze.
X-TubeProcessor® _Proceed
Durchgängiger Abfüllprozess vom digitalen Auftrag über Materialbereitstellung und Bearbeitung bis zum etikettierten und dokumentierten Tube.
Welche Lösung passt, hängt nicht allein von der aktuellen Stückzahl ab. Auch zukünftige Varianten, Wachstum, benötigte Schnittstellen und der gewünschte Automatisierungsgrad sollten in die Entscheidung einfließen.
Automatisierungspotenzial gemeinsam bewerten
HTI begleitet Sie von der ersten Prozessanalyse bis zur technischen Umsetzung. Gemeinsam betrachten wir den bestehenden Ablauf, definieren die relevanten Anforderungen und prüfen, welche Arbeitsschritte sich sinnvoll automatisieren und miteinander verbinden lassen.
