Peristaltikpumpe oder Mikrozahnringpumpe?

Beide Pumpentechnologien können Flüssigkeiten automatisiert und reproduzierbar dosieren. Sie unterscheiden sich jedoch grundlegend darin, wie das Medium gefördert wird, welche Bauteile mit der Flüssigkeit in Kontakt kommen und welche Anforderungen an Kalibrierung, Reinigung und Prozessführung entstehen.

Welche Lösung besser passt, entscheidet daher nicht ein einzelner Kennwert. Ausschlaggebend ist das Zusammenspiel aus Dosiermenge, Flüssigkeit, Toleranz, Chargenstruktur und gewünschtem Durchsatz.

Kurzantwort: Die Peristaltikpumpe eignet sich häufig für flexible Batch-Prozesse, schnelle Abfüllungen und Anwendungen mit regelmäßigem Medienwechsel. Die Mikrozahnringpumpe bietet Vorteile, wenn kleine Volumina, eine geringe Pulsation und eine besonders stabile Dosierung im Vordergrund stehen.

Wie funktioniert eine Peristaltikpumpe?

Eine Peristaltikpumpe transportiert Flüssigkeit durch einen flexiblen Schlauch. Rotierende Rollen drücken den Schlauch nacheinander zusammen und erzeugen so einen gerichteten Förderstrom. Der Pumpenmechanismus selbst bleibt vom Medium getrennt; die Flüssigkeit berührt nur den vorgesehenen Schlauchweg und die angeschlossenen Dosierkomponenten.

Dieser Aufbau unterstützt schnelle Medienwechsel und klar definierte Flüssigkeitswege. Er ist deshalb besonders interessant für die chargenweise Abfüllung unterschiedlicher Reagenzien. Das Dosierverhalten wird allerdings auch durch Schlauchtoleranzen, Schlauchalterung, Temperatur und Flüssigkeitseigenschaften beeinflusst. Eine passende Kalibrierstrategie ist daher zentral.

Wie funktioniert eine Mikrozahnringpumpe?

Bei der Mikrozahnringpumpe greifen ein Innen- und ein Außenrotor mit sehr kleinen Zähnen ineinander. In den entstehenden Förderkammern wird das Medium kontinuierlich weitertransportiert. Das ermöglicht einen gleichmäßigen, pulsationsarmen Volumenstrom und sehr kleine, präzise Dosierungen.

Die Pumpe besitzt medienberührte Bauteile. Für die Anwendung müssen deshalb Werkstoffverträglichkeit, Reinigungsmedium, Spülvolumen und ein gegebenenfalls zu validierender Reinigungsablauf berücksichtigt werden. Dafür bietet die Technologie eine hohe Prozessstabilität, insbesondere wenn Flüssigkeit und Arbeitspunkt klar definiert sind.

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Kriterium

Peristaltikpumpe

Mikrozahnringpumpe

Förderprinzip

Rollen verformen einen flexiblen Schlauch

Mikroverzahnte Rotoren fördern definierte Flüssigkeitsmengen

Medienkontakt

Pumpenmechanismus ohne Medienkontakt; Medium im Schlauchsystem

Medium berührt die dafür ausgelegten Pumpenbauteile

Dosierverhalten

Sehr gut für robuste Standardabfüllungen; Kalibrierung kompensiert systematische Einflüsse

Hohe Genauigkeit, geringe Pulsation und stabile Förderung

Kleine Volumina

Je nach Schlauch, Medium und Kalibrierung geeignet

Besonders interessant bei kleinen Volumina und engen Toleranzen

Medienwechsel

Durch Wechsel des definierten Flüssigkeitswegs gut unterstützbar

Reinigung und Spülung müssen anwendungsspezifisch geplant werden

Viskosität

Über Schlauch- und Dosierset an die Anwendung anpassbar

Für einen breiten Viskositätsbereich geeignet; konkreten Arbeitspunkt prüfen

Wartung

Schlauch ist Verschleißteil und wird planmäßig gewechselt

Medienberührte Komponenten und Verschleiß abhängig von Anwendung betrachten

Typischer Einsatz

Batch-Abfüllung, häufige Produktwechsel, größere Füllmengen

Präzisionsdosierung, kleine Mengen, anspruchsvolle Flüssigkeiten

Wann ist eine Peristaltikpumpe die passende Wahl?

Eine Peristaltikpumpe ist häufig sinnvoll, wenn der Prozess flexibel bleiben soll und Reagenzien oder Chargen regelmäßig wechseln. Da das Medium im Schlauchsystem geführt wird, kann der medienberührte Weg klar abgegrenzt und bei Bedarf ersetzt werden.

Typische Anforderungen sind:

  • schnelles Abfüllen eines Reagenzes in viele Tubes

  • mittlere bis größere Dosiermengen

  • häufige Produkt- oder Chargenwechsel

  • ein möglichst einfacher Wechsel des medienberührten Flüssigkeitswegs

  • hoher Durchsatz in automatisierten Batch-Prozessen

  • aktive Kühlung größerer Ausgangsgefäße bei temperaturempfindlichen Reagenzien

Wichtig ist, den Schlauch nicht nur als Verbindung, sondern als funktionalen Bestandteil der Dosierung zu betrachten. Material, Durchmesser, Alter und Nutzungsdauer beeinflussen das Ergebnis. Definierte Wechselintervalle und eine Kalibrierung unter realen Prozessbedingungen erhöhen die Reproduzierbarkeit.

Wann ist eine Mikrozahnringpumpe die passende Wahl?

Eine Mikrozahnringpumpe ist besonders interessant, wenn hohe Dosiergenauigkeit und ein stabiler Volumenstrom im Vordergrund stehen. Die geringe Pulsation unterstützt reproduzierbare Dosierungen, auch wenn die Zielvolumina klein oder die Prozessfenster eng sind.

Typische Anforderungen sind:

  • kleine Dosiermengen und enge Toleranzen

  • gleichmäßige, pulsationsarme Förderung

  • stabile Prozesse bei anspruchsvollen Flüssigkeitseigenschaften

  • klar definierte Reagenzien und wiederkehrende Produktionsabläufe

  • hohe Anforderungen an Präzision und Prozesskontrolle

  • anwendungsspezifisch ausgelegte und dokumentierte Reinigungsprozesse

Die medienberührten Werkstoffe müssen zur Flüssigkeit und zum Reinigungsmedium passen. Bei häufig wechselnden Produkten ist außerdem zu prüfen, ob Spül- und Reinigungsaufwand zur geplanten Taktung und Chargengröße passen.

Nicht nur die Pumpe entscheidet über das Ergebnis

Die reale Dosierqualität entsteht im Gesamtsystem. Neben dem Pumpenprinzip beeinflussen mehrere Faktoren das Resultat:

  • Dosierkanüle und Tropfenbildung: Geometrie, Abstand zum Zielgefäß und gegebenenfalls ein definierter Wall Touch beeinflussen die Flüssigkeitsabgabe.

  • Temperatur: Sie kann Viskosität, Schlaucheigenschaften und Produktstabilität verändern.

  • Viskosität und Oberflächenspannung: Beide wirken sich auf Förderverhalten, Nachtropfen und Kalibrierung aus.

  • Ausgangsgefäß: Größe, Füllstand, Entnahmegeometrie und Kühlung müssen zum Prozess passen.

  • Taktzeit: Die gewünschte Leistung ergibt sich aus Dosieren, Tube Handling, Capping, Etikettierung und weiteren Prozessschritten.

  • Qualitätssicherung: Kalibrierung, In-Prozess-Kontrollen und digitale Dokumentation sichern die wiederholbare Ausführung.

Genauigkeit und Präzision sind nicht dasselbe

Die Genauigkeit beschreibt, wie nah der gemessene Wert am Zielwert liegt. Die Präzision beschreibt, wie eng wiederholte Dosierungen beieinanderliegen. Eine Kalibrierung kann systematische Abweichungen korrigieren und damit die Genauigkeit verbessern. Schwankungen durch Tropfenbildung, Temperatur oder unterschiedliche Flüssigkeitseigenschaften müssen dagegen über die gesamte Prozessauslegung beherrscht werden.

Praxisregel: Vergleichen Sie Pumpen nicht nur anhand eines Nennwerts. Entscheidend ist, welche Genauigkeit und Präzision mit Ihrem Originalmedium, Ihrem Zielvolumen und Ihrer Labware im vollständigen Workflow erreicht werden.

Peristaltik- und Mikrozahnringpumpe im X-TubeProcessor®_Smart 2.0

Für den X-TubeProcessor®_Smart 2.0 stehen je nach Anforderung eine Peristaltikpumpe oder optional eine Mikrozahnringpumpe zur Verfügung. Dadurch lässt sich das kompakte System gezielt auf flexible Standardabfüllungen oder besonders präzise Dosieraufgaben auslegen.

Der DosingPumpManager unterstützt wiederkehrende Routinen wie Priming, Reinigung und Kalibrierung sowie die Verwaltung anwendungsspezifischer Liquid Classes. Zusammen mit X‑Control können Dosieren, Capping, Etikettierung, Barcode-Logik und Dokumentation zu einem kontrollierten Prozess verbunden werden.

Der Smart 2.0 verarbeitet Tubes und Vials von 0,5 bis 15 ml ohne Greiferwechsel, nimmt bis zu sechs SBS-Racks auf und erreicht workflowabhängig bis zu 370 Tubes pro Stunde. Damit eignet er sich besonders für kleine und mittlere Chargen sowie für Labore, die mehrere Prozessschritte auf weniger als einem Quadratmeter automatisieren möchten.

Welche Pumpe passt zu Ihrem Prozess?

HTI bewertet gemeinsam mit Ihnen Zielvolumen, Flüssigkeit, Toleranz, Labware, Durchsatz und Reinigungsanforderungen. Auf dieser Grundlage lässt sich die Pumpentechnologie auswählen und mit den weiteren Prozessmodulen abstimmen. Tests mit dem Originalmedium schaffen dabei eine belastbare Grundlage für Kalibrierung und Systemkonfiguration.

Häufige Fragen zu Peristaltik- & Mikrozahnringpumpen

Der eigentliche Pumpenmechanismus kommt nicht mit dem Medium in Kontakt. Die Flüssigkeit wird innerhalb eines definierten Schlauchsystems geführt und berührt außerdem die dafür vorgesehenen Dosierkomponenten.

 

Sie bietet sehr gute Voraussetzungen für präzise, pulsationsarme Dosierungen, insbesondere bei kleinen Volumina. Das reale Ergebnis hängt jedoch zusätzlich von Medium, Dosierkanüle, Temperatur, Kalibrierung und Prozessführung ab.

 

Häufig bietet die Peristaltikpumpe Vorteile, weil der medienberührte Schlauchweg gewechselt werden kann. Ob das im konkreten Prozess ausreicht, hängt von Carry-over-Grenzen, Sterilitätsanforderungen und Validierung ab.

Das Intervall richtet sich nach Schlauchmaterial, Nutzungsdauer, Medium, Temperatur und Qualitätsanforderungen. Sinnvoll ist ein definierter, risikobasierter Ablauf, der vor Produktionsbeginn und nach relevanten Änderungen eine Prüfung vorsieht.

 

Für den Smart 2.0 sind eine Peristaltikpumpe oder optional eine Mikrozahnringpumpe verfügbar. Welche Konfiguration für die jeweilige Anwendung geeignet ist und wie flexibel ein späterer Wechsel möglich wäre, sollte bei der Systemauslegung geklärt werden.

Lassen Sie sich von unseren Spezialisten beraten!

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Telefon: 08092 2092-70 oder E-Mail: sales@hti-automation.com

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